Bernd Zipper

Der Technologie- und Strategieberater Bernd Zipper erklärt, warum Print tot ist - und trotzdem weiterlebt.

 

Was kommt nach Print?

Der weiss’raum in Halle 4.0 ist geplant als Projektionsfläche für Zukunftsvisionen rund um den digitalen Druck.

"Print wirkt" und "Print ist tot" – diese beiden Meinungen sind oft gehört und scheinen nicht miteinander vereinbar. Wie der Druck im digitalen Zeitalter aussehen könnte, will das neue "weiss’raum"- Konzept in Halle 4.0 zeigen, das 2009 erstmals Ausstellern und Fachbesuchern zur Verfügung steht. Bernd Zipper, Technologie- und Strategieberater aus Essen, erklärt im Interview, was hinter dem Konzept steht.

Frankfurter Buchmesse: Herr Zipper, wozu brauchen wir den weiss’raum?

Die Frankfurter Buchmesse ist die internationale Messe der Ideen und Inhalte. Wir erleben derzeit eine grundlegende Veränderung des medialen Umfeldes. Das gedruckte Wort ist nicht mehr das alleinige Medium. Aber es kann in dem vielfältigen Miteinander neuer digitaler und etablierter traditioneller Kommunikationskanäle ganz neue Potentiale ausschöpfen. Dies zu diskutieren, dies darzustellen, dazu ist die Frankfurter Buchmesse der ideale Ort und der weiss’raum das geeignete Präsentationskonzept – für Aussteller und Fachbesucher gleichermaßen.

Welche Idee steht hinter dem weiss’raum?

Auf der Messe kommen unterschiedliche Gruppen zusammen, denen wir im wörtlichen Sinne einen Raum für ihre Ideen und ihre Kreativität geben. Dieser Raum muss offen sein für alle, also international, neutral und flexibel nutzbar. Ein Platz zur Begegnung, ein Platz zur Fachdiskussion, ein Platz zur Auseinandersetzung mit Inhalten und Ideen. Im weiss’raum können Besucher, Aussteller, Fachleute der Medienindustrie, Visionäre und Praktiker zusammenkommen. Hier werden Fragen gestellt – und was noch viel wichtiger ist: Es werden Antworten gegeben.

Und woher kommt der Name?

Der weiss’raum bedient sich gestalterischer Prinzipien, die der Typografie entlehnt sind. Weißraum ist der unbedruckte Teil einer Seite. Gut gesetzt, verbessert er die Lesbarkeit. Er dient der Konzentration des Lesers, um wichtige Inhalte gezielter und schneller zu erfassen. Der weiss’raum ist deshalb völlig in Weiß gehalten – klar, flexibel und ohne Ablenkung. Die Inhalte werden tagesaktuell und in der Regel durch Projektion präsentiert. Der weiss’raum wird so zur Metapher für den kreativen Raum der Buchmesse.

Wie sieht die mediale Zukunft Ihrer Ansicht nach aus?

Gegenwart und Zukunft der Medien sind nicht-linear. In der Vergangenheit hatten wir die Auffassung einer eindimensionalen Entwicklung entlang eines Zeitstrahls aufgrund technologischen Fortschritts. Heute ist das passé - wir beobachten eine Vernetzung unterschiedlichster Ideen, Technologien und Inhalte. Wir müssen lernen, mit dieser Komplexität umzugehen, ihre Potenziale ausschöpfen und Orientierung finden. An einem Ort wie dem weiss’raum können sich alle treffen und ihr unterschiedliches Wissen einbringen: Hersteller von Medientechnologien, Inhalteanbieter, Agenturen, Kommunikationsverantwortliche aus Unternehmen, angehende und etablierte Fachleute der Medienproduktion und die Konsumenten der Medienprodukte.

Was bedeutet diese Zukunft der Medien denn für die Medienproduktion?

Viele Experten sagen dem Druck den nahen Tod voraus. Ich sage: Druck, wie wir ihn aus der Vergangenheit kennen, ist bereits tot. Doch Druck lebt und wächst. Und zwar dort, wo Drucktechnologien in der Produktion und vertrieblich die neuen Möglichkeiten des Internet nutzen. Dort, wo das gedruckte Wort ein mächtiger Teil einer synergetischen Medienvielfalt ist. Im weiss’raum lässt sich das durch Beispiele aus der Praxis oder anhand greifbarer Konzepte für die Zukunft darstellen. Hier sind Hersteller gefragt, die medienübergreifende Publikationstechnologien anbieten, Medienhäuser, die integriertes Publizieren umsetzen, Medieninteressierte und Publizisten, die ihre Ansprüche formulieren. Für sie wird der weiss’raum Ort der Begegnung und Inspiration sein.

Informationen zu Konzept, Themen, Programm und Teilnahmemöglichkeiten für Unternehmen und Partner gibt es ab 8. Mai auf der Website www.weiss-raum.com. Anfragen zu Konditionen und individuellen Nutzungsmöglichkeiten richten Sie bitte an Frau Sandra Winter. (sw@weiss-raum.com)

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