Bologna 2009

Deutscher Gemeinschaftsstand in Bologna 2009

 

Bologna: Wo ist die Digitalisierung?

Aller Unkenrufe zum Trotz gab man sich in Bologna in diesem Jahr optimistisch. Noch hat die Krise den Kinder- und Jugendbuchsektor nicht erreicht. Die Digitalisierung auch nicht. Oder doch?

1.300 Aussteller aus 66 Ländern, 4.879 Fachbesucher aus der ganzen Welt, so die offiziellen Zahlen zur 46. Kinderbuchmesse in Bologna. Gefühlt ging es in diesem Jahr etwas ruhiger, deswegen aber nicht weniger geschäftig zu: Zwar hatte die Messeleitung bei einigen Ausstellern aus Übersee kurzfristige Absagen zu vermelden, nichtsdestotrotz zeigten sich Aussteller und Rechtehändler zufrieden. Auch die 33 deutschsprachigen Verlage, die rund 500 Titel am Deutschen Gemeinschaftsstand präsentierten, zogen eine positive Bilanz: „Übereinstimmend mit Kollegen und Presse empfand ich die diesjährige Messe als sehr viel ruhiger als üblich und die Stimmung deutlich verhaltener. […] Ich selbst konnte überhaupt nicht klagen und nahm rund 50 Gesprächstermine wahr, die durch die Bank positiv waren und aller Voraussicht nach in verschiedenen Lizenzabschlüssen und Koproduktionen resultieren werden“, resümiert Ina Feist vom Verlagshaus Jacoby & Stuart.

Potenzial erkannt – Umsetzung folgt

„Paranormal Romance“ und „All Age“ gelten nach wie vor als Verkaufsgaranten, neue Trends wurden in Bologna nicht gesetzt.
Auch digitale Angebote fanden sich erst auf den zweiten Blick. Und das, obwohl das Potenzial erkannt ist, wie eine nicht-repräsentative Blitzumfrage unter Ausstellern in Bologna zur Bedeutung des Handys für den Kinder- und Jugendbuchsektor zeigte: Immerhin die Hälfte der Befragten schätzt die Bedeutung von „mobile content/mobile communications“ für die Verlagsbranche als „wichtig“ ein. Ebenso viele sehen das Handy sowohl als Marketinginstrument wie als zusätzlichen Kanal für die Verbreitung literarischer Inhalte an. Knapp 25 Prozent planen, zukünftig Formate fürs Handy in ihr Programm für Kinder- und Jugendliche zu nehmen: „Es ist bereits möglich, über unsere Seite www.die-bibel.de verschiedene Bibelausgaben auf dem iPhone zu nutzen. Und wir sind gerade dabei, diese Möglichkeit auch für Kinderprodukte zu prüfen“, so Mathias Jeschke, Lektor bei der Deutschen Bibelgesellschaft. „Infrage kommen dafür Zeichentrickfilme von etwa drei Minuten Länge, die ab Herbst dieses Jahres in unserem Buchhandelsprogramm erscheinen werden.“

Moderne Leseförderung

Experten sehen in der digitalen Verbreitung literarischer Inhalte eine Form der modernen Leseförderung: Vor allem die jüngsten Leser würden zukünftig auch belletristische Texte auf elektronischen Lesegeräten schmökern, so Klaus Willberg von der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. (avj) im Rahmen der Vorstellung des Trendberichts Kinder- und Jugendbuch 2009 im März auf der Leipziger Buchmesse. Der Blick über den Tellerrand belegt diese Prognose: In Japan sind sogenannte „cell phone novels“ bereits seit 2002 fest in der Literaturszene verankert. Kernzielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene. Und auch in den USA nutzen (nicht nur) Kids ihre Smartphones zum Lesen. Die großen Contentanbieter haben bereits reagiert: Google bietet seit Anfang des Jahres eine mobile Version von Google Books an. Man dürfe sich dem Thema nicht verschließen, aber die Branche täte sich etwas schwer, fasst Stefanie Schnürer, Programmleiterin Buch bei edelkids, die Haltung der deutschen Verlage zusammen.

Gestatten, Illustratoren aus Deutschland

Ganz handfest und wenig virtuell präsentierten sich in Bologna die Illustratoren, die heimlichen Stars der Kinder- und Jugendbuchmesse. Die alljährliche Ausstellung im Foyer war wieder einmal ein optischer Anziehungspunkt. Auch der Deutsche Gemeinschaftsstand, organisiert von der Frankfurter Buchmesse und dem avj mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts, setzte – neben dem internationalen Kontaktprogramm und dem Lizenzseminar „Quick Rights“ – einen Schwerpunkt auf Zeichner. „Kreativ in Deutschland“ gewährte beispielsweise einen Einblick in die Arbeit der Design- und Illustrationsstudenten der Fachhochschule Mainz. Die Ausstellung „Illustration in Pocket Size“ zeigte eine Auswahl an von Illustratoren designten Produkten. Noch mehr Zeichenkunst aus deutschen Landen zeigte ein Gemeinschaftsstand von Gestaltungshochschulen, u. a. der Hochschule für angewandte Wissenschaften, Hamburg.

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